So verstehen wir die Bibel!

Das Schriftverständnis der Brüdergemeinden


I. Ursprung und Wesen der Schrift

1. Alles Nachdenken über den Ursprung und Wesen der Schrift hat von Gottes Selbstoffenbarung gegenüber dem gefallenen Menschen auszugehen. So wie Gott in Christus Mensch geworden und doch ganz Gott geblieben ist, so ist die Bibel in ihrer menschlichen Sprachgestalt doch ganz Wort Gottes. Die Bibel ist Zeugnis von Gottes Offenbarungshandeln in der Geschichte und trägt selbst Offenbarungscharakter.

Hebr.1,1f; Rö.1,21; Eph.4,18; 2.Petr.3,2; Rö.1,2; 3,2; Gal.3,8; 1.Kor.15,3f; Gal.1,12; 1.Thess.2,13; Mt.22,31

 

2. Diese Tatsache liegt in der göttlichen Inspiration der Schrift begründet. Gott hat nach dem Zeugnis der Schrift Menschen gebraucht, die sein Reden in menschlicher Sprache zum Ausdruck brachten. Dabei ist dieser Vorgang nicht mechanisch zu denken; Gott hat auch die geschichtlichen Umstände sowie Sprache und Eigenart der Schreiber in die Schrift einbezogen.

2.Tim.3,16; 2.Petr.1,21; 2.Sam.23,2; Mk.12,36; Apg.1,16; 3,21; 28,25; Hebr.3,7; 9,8; 10,15; Offb.1,10f; 1.Kor.2,13; 2.Kor.2,17; Rö.10,20; Lk.1,1-4

 

3. Aus der göttlichen Inspiration der Schrift folgt die völlige Zuverlässigkeit und Unfehlbarkeit der Schrift in allen ihren Aussagen, denn der wahrhaftige Gott redet wahrhaftig und zuverlässig. Sie ist in der Unterschiedlichkeit ihrer einzelnen Zeugen doch eine geistgewirkte Einheit. Die ganze Schrift Alten und Neuen Testaments ist Reden desselben Gottes und zeigt daher eine innere Übereinstimmung.

Ps.19,8-10; 93,5; Tit.1,2.9; Ps.119,142.151.160; Joh.17,17; 18,37; 19,35; 21,24; Offb.3,14; 19,9; 21,5; 22,6; Mt.5,17f; 24,35; Jes.40,8; Ps.119,89; Joh.10,35; Apg.24,14; Lk.24,25; 1.Petr.1,10-12; Joh.1,45; 5,39.46; Lk.4,21; Hebr.10,7

 

4. Als einzige und ausschließliche Quelle der Offenbarung Gottes1 genügt die Schrift, um dem Menschen den Willen Gottes kundzutun.

1.Petr.1,23; Jak.1,21; 2.Tim.3,15-17; Rö.15,4; 1.Kor.10,11; 1.Tim.4,6; 5.Mo.4,2; Offb.22,18f; Ps.119

 

5. Die Bibel ist daher in jeder Hinsicht höchste Autorität für den einzelnen Gläubigen wie auf für die Gemeinde. Sie ist Norm für alle Lehre und Maßstab für alles Handeln.

5.Mo.32,46f; Jos.1,7f; Jer.1,12; Hebr.2,1-4; Joh.12,48; Apg.2,42; 2.Thess.2,15; 3,6.14; Hebr.12,25

 

II. Schriftauslegung

1. Voraussetzung für rechte Schriftauslegung ist die Erneuerung des Menschen in der Wiedergeburt und die Begabung mit dem Heiligen Geist, der die Schrift eingegeben hat, uns ihre Wirklichkeit erschließt und auf unser Leben anwendet. Der Heilige Geist ist vom Wort Gottes weder zu trennen noch gar in Gegensatz zu ihm zu bringen.

1.Kor.2,14; 2.Kor.3,14-18; 2.Kor.4,6; Lk.24,32.45; Apg.16,14; Eph.1,17f; 1.Joh.2,20.27; 5,20; 2.Tim.2,7; 2.Petr.1,20f; Joh.14,26; 16,13-15; Offb.2,7.11.17.29; 3,6.13.22

 

2. Das schließt die Bemühung des Auslegers um das Verständnis des biblischen Wortlauts und Zusammenhangs ein. Aus der Einheit der Schrift folgt der Grundsatz, dass die Schrift sich durch sich selbst auslegt. Da Gottes Reden sich in der Geschichte der Menschheit vollzieht, ist eine heilsgeschichtliche Betrachtungsweise auch der angemessene Deutungsrahmen für die Schriftauslegung.

Jos.1,8; Ps.1,2; Esr.7,10; Lk.1,1-4; Apg.17,11; 1.Kor.2,13; Mt.11,13; Rö.5,13

 

3. Die Kenntnis der biblischen Sprachen, der Umwelt und Zeitgeschichte der Bibel stellt eine Verstehenshilfe in der Auslegung biblischer Texte dar. Wir bejahen daher eine gründliche historisch-philologische Arbeit2 an der Bibel.

 

4. Einen historisch-kritischen Umgang mit der Schrift, der biblischen Aussagen ihre historische Grundlage entzieht, über Historizität 3 und Echtheit biblischer Texte befindet, Sachkritik 4 übt und die Einheit der biblischen Zeugnisse auflöst, lehnen wir daher ab. Wir bejahen vielmehr gegenüber der biblischen Offenbarung eine Haltung der Selbstbescheidung und Demut und üben Zurückhaltung bei offenen Fragen zur Deutung des Bibeltextes.

5.Mo.4,2; 13,1; 2.Kor.10,5

 

5. Der Heilige Geist macht dem Glaubenden die Schrift immer wieder lebendig und erweist sie in seinem Leben als wirksame Macht. Er befähigt zum Gehorsam der Schrift gegenüber und zum vollmächtigen Bezeugen ihrer Botschaft.

5.Mo.32,46f; Jer.23,29; Hebr.4,12; Mt.22,29; Joh.6,63.68; Apg.2,37; 5,32; Rö.15,18f; 1.Kor.2,4f; 1.Thess.1,5; Hebr.2,3f; 2.Tim.3,15-17


Rehe, den 18.3.1984

Der Bruderrat der Brüdergemeinden (im B.E.F.G.)



Anmerkungen

1. Die Offenbarung Gottes in der Schöpfung kommt hier nicht in Betracht, da in ihr der Wille Gottes für den Menschen nicht erkennbar ist.

2. Die historische Arbeit an der Bibel bezieht sich auf die Erforschung ihrer Umwelt und Zeitgeschichte. Die philologische Arbeit betrifft die Erforschung biblischer Sprachen (griech.; hebr. und aram.) und die Textforschung (d.h. welche der vorliegenden Textformen dem Urtext am nächsten kommt).

3. d.h. geschichtliche Realität.

4. Sachkritischer Umgang mit der Heiligen Schrift geht von der Voraussetzung aus, man könne und dürfe darüber entscheiden, ob biblische Aussagen wahr und gültig oder aber zeitgebunden und einseitig sind.

(Abschrift der 3. Auflage Februar 1985)



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Ins Netz gesetzt am 31.03.2006; letzte Änderung: 31.01.2017

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