3. Die christlichen Kirchen im Unterschied zu den "christlichen" Sekten



Überlegenheitsansprüche und elitäres Sendungsbewußtsein entstehen als Fehlentwicklung in allen Religionen, auch im christlichen Bereich. Es gibt eine Reihe von Gemeinschaften, die gegenüber allen anderen Christen beanspruchen, die einzig richtige Lehre und Praxis zu haben oder ganz allein von Gott dazu beauftragt worden zu sein, den Glauben zu verkünden. Darunter sind ältere, zum Teil zahlenmäßig große Gruppen wie die Zeugen Jehovas (in Deutschland ca. 180.000), die Neuapostolische Kirche (in Deutschland ca. 350.000) oder die Mormonen. Man bezeichnet sie deshalb als "klassische Sekten". Daneben entstehen immer wieder neu andere, oft kleine Gruppen mit vergleichbaren Ansprüchen.

Eine Kirche oder Gemeinde, die mit Christen aus anderen Kirchen zusammenarbeitet, verzichtet auf den exklusiven Anspruch, daß sie allein den richtigen Glauben habe und vertrete und daß Gott allein durch sie sein Heil schenke. Dies unterscheidet sie von den christlichen und pseudochristlichen Sekten. Auch wenn jeder Christ in seiner eigenen Kirche verwurzelt ist und von ihr annehmen kann, daß sie den christlichen Glauben vollständig und deutlich vertritt, wird er anerkennen, daß der Glaube auch in den anderen Kirchen beheimatet ist und daß Gott auch in und durch andere Kirchen wirkt.

In Anbetracht der Tatsache, daß der Sektenbegriff sehr unterschiedlich und oft mißverständlich gebraucht wird, sind für den Geltungsbereich der christlichen Tradition die inhaltlichen Unterscheidungsmerkmale zu bekräftigen, die die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen 1987 in einer Erklärung hervorgehoben hat:

"Der Sektenbegriff ist im Verständnis der in der ACK vertretenen Kirchen auf solche Sondergemeinschaften anzuwenden, die

a) die Heilige Schrift des Alten und des Neuen Testaments als wesentlich ergänzungsbedürftig ansehen und deshalb den biblischen Büchern weitere gleichwertige Offenbarungsquellen und daraus sich ergebende Sonderlehren an die Seite stellen, oder aber Teile der Bibel dadurch in den Hintergrund treten lassen, daß ganz bestimmte Aussagen der Hl. Schrift zum Schlüssel des Verständnisses der gesamten Bibel erklärt werden,

b) die verkünden, das ewige Heil werde nicht allein im Glauben an Jesus Christus empfangen, und die darum anderen Heilswegen oder Heilsvermittlern anstelle oder neben Jesus Christus das Wort reden; und

c) die das Heil ausschließlich von der Mitgliedschaft in der eigenen Gemeinschaft abhängig machen und deshalb um Übertritt werben und eine Gemeinschaft der Kirchen darum ablehnen, weil sie auf einer strikten Trennung von anderen christlichen Gemeinschaften bestehen."

Ergänzend hieß es in der damaligen Stellungnahme:

"In keinem Fall sollte der Begriff ‘Sekte’ auf Kirchen, Freikirchen und kirchliche Gemeinschaften angewandt werden, die durch Lehre und Leben zu erkennen geben, daß sie sich den großen christlichen Grundwahrheiten verpflichtet wissen, wie sie in der Heiligen Schrift und in den altkirchlichen Bekenntnissen zum Ausdruck kommen, und daß sie sich jeweils nicht im alleinigen Besitz der christlichen Wahrheit wähnen, sondern zur Zusammenarbeit mit anderen christlichen Kirchen und Gemeinschaften bereit sind." (1)

Eine ökumenische Haltung und Zusammenarbeit ist mit einer sektiererischen Gesinnung nicht vereinbar. Für die Gesellschaft stellt deshalb die Einbindung in ökumenische Verbände, Dachorganisationen und andere Zusammenschlüsse einen wichtigen praktischen Hinweis dar, daß man es mit einer partnerschaftlich eingestellten, seriösen Kirche oder Gemeinde zu tun hat.

Die folgende Liste gibt einen Überblick über die Mitglieds- und Gastkirchen der ACK und ihre zentralen Verwaltungsstellen sowie über die Freikirchen, die gleichzeitig zur Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) gehören.

(1) Was ist eine Sekte? Hinweise zum Gebrauch des Begriffes "Sekte". Eine Information der Ökumenischen Centrale im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) 1987.



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Ins Netz gesetzt am 08.06.2006; letzte Änderung: 31.01.2017

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