Die Kreuzzüge (12. - 14. Jhd.)



Q 1 Aufruf des Papstes Urban II. in Clermont zum Kreuzzug, 1095

Bericht des Mönches Robert von Reims, der nach eigenen Aussagen Augenzeuge des Konzils von Clermont war. Er nahm nicht am Kreuzzug teil, unterrichtete sich aber bei den Kreuzfahrern. Seine Geschichte des Kreuzzuges schrieb er Anfang des 12. Jh.

,,Von Jerusalem und Konstantinopel kommt schlimme Nachricht zu uns. Die Seldschuken, ein fremdländisches und gottloses Volk, ist in das Land der Christen eingedrungen und hat es mit dem Schwert, durch Plünderungen und Brandstiftungen verwüstet. Besonders das Schicksal des heiligen Grabes muß euch zu Herzen gehen. Es ist in der Gewalt jenes sündhaften Volkes ebenso wie die heiligen Stätten, die von jenen Unreinen geschändet und besudelt werden.

Unerschrockene Ritter, Nachkommen unbesiegter Vorfahren, gedenkt der Tapferkeit eurer Väter. Besitz hält euch nicht, denn das Land, das ihr bewohnt, ist überall von Meer und Bergen umgeben und zu eng für eure große Zahl. Es hat keinen Überfluß an Reichtümern und nährt kaum jene, die es bearbeiten. Aus diesem Grunde streitet ihr euch, führt Kriege gegeneinander und bringt euch gegenseitig um. Hört auf, euch zu hassen und zu bekriegen. Geht hin zum heiligen Grabe, nehmt das Land den verruchten Heiden ab und macht es zu eurem eigenen, jenes Land, von dem die Schrift sagt, daß Milch und Honig dort fließt. Beschreitet den Weg, der zur Vergebung eurer Sünden führt, des unvergänglichen himmlischen Ruhmes seid ihr gewiß. Wir warnen aber davor, daß Greise, Schwache und des Waffengebrauchs Unkundige die Reise antreten."

(Recueil des Historiens des Croisades. Historiens occidentaux, Bd. 3.)

Gruppe 1:

a) Mit welchen Argumenten versucht der Papst zum Kreuzzug zu bewegen?

INFO: Der Beginn der Kreuzzüge

a) Der Islam im Westen

Im 11. Jh. verlor der Islam im westlichen Mittelmeer die Seeherrschaft. Die italienischen Seestädte von Genua bis Pisa gewannen die Inseln Korsika und Sardinien zurück und zwangen die Araber, auf Raubzüge im westlichen Mittelmeer zu verzichten. In Süditalien und Sizilien führten die Normannenherzöge im Auftrag des Papstes unter der Petersfahne den Krieg gegen die arabischen Sarazenen.

In Nordspanien machte im 11. Jh. die Wiedererobening der Halbinsel gegen die ,,Ungläubigen" von den christlichen Königreichen im Norden aus (Leon, Kastilien, Aragon) große Fortschritte. Der Krieg wurde vom Kloster Cluny und von den Päpsten finanziell unterstützt. Auch französische Ritter nahmen am Kampf teil, der als ,,heiliger Krieg" gegen die Feinde Christi aufgefaßt wurde.

b) Die Seldschuken (türkischer Nomadenstamm, der zum Islam übergetreten war) drangen im 11. Jh. von Mittelasien nach Westen vor und eroberten in 50 Jahren fast den ganzen vorderen Orient. Als Schutzherrn des Kalifen von Bagdad beteiligten sie sich am heiligen Krieg gegen die Ungläubigen und besetzten Palästina und Syrien, das dem Kalifen in Kairo unterstand. Nach der Eroberung Jerusalems 1078 wurden die christlichen Pilgerfahrten zum heiligen Grab auf dem Landwege erschwert. Seit 1071 brachten die Seldschuken den größten Teil des byzantinischen Kleinasien in ihren Besitz. In seiner Bedrängnis wandte sich der byzantinische Kaiser Alexios 1. an den Papst mit der Bitte, Hilfstruppen zu entsenden. Am 26.11.1095 rief Papst Urban II. während der Synode von Clermont (Frankreich) die christliche Ritterschaft auf, den Brüdern im Osten Hilfe zu leisten.

c) Die Anwesenden wurden von der Predigt des Papstes mitgerissen und gelobten feierlich, ins Hlg. Land zu ziehen, um es von der Herrschaft der mohammedanischen Seldschuken zu befreien. Zum Zeichen ihres Gelübdes hefteten sie sich Stoffkreuze an die Kleider. V.a. beim französischen Adel, in den Rheinlanden und in Süditalien fand der Aufruf des Papstes ein unerwartetes Echo. In den. Städten und Dörfern warben Volksprediger bei den einfachen Leuten für die Kreuzfahrt

b) Verdeutlicht mit Hilfe der Karte die Ereignisse, die zum 1. Kreuzzug führen.
Kreuzzug der Armen

Q 2 Der Aufbruch der Armen ins Heilige Land im Frühjahr 1096, geschildert von dem Mönch Guibert de Nogent. Für seine Kreuzzugsgeschichte, die um 1109 entstand, verwandte er Teilnehmerberichte und eigene Erlebnisse.

,,Selbst die Armen wurden von einem so glühenden Eifer entflammt, daß keiner von ihnen sich damit aufhielt, an seine bescheidenen Einkünfte zu denken oder zu überlegen, ob er es sich leisten könnte, sein Haus, seine Weingärten oder seine Felder aufzugeben. Jeder machte es sich zur Pflicht, seinen besten Besitz zu einem viel geringeren Preis zu veräußern [als er wert war] ... Und was sehr teuer schien, als alle Welt seßhaft blieb, wurde plötzlich zu einem Spottpreis verkauft, als alle sich in Bewegung setzten . . . Arme Leute beschlugen die Hufe ihrer Ochsen nach Art der Pferde mit Eisen, spannten sie vor zweirädrige Karren, luden darauf ihre winzigen Vorräte und ihre kleinen Kinder und zogen sie so hinter sich her.

(Recueil des Historiens des Croisades. Historiens occidentaux, Bd. 4.)

INFO: Das Ende des Kreuzzugs der Armen

Als die Scharen der Armen Konstantinopel erreichten, war der byzantinische Kaiser entsetzt. Er fürchtete für die Ordnung in seinem Reich und ließ die Kreuzfahrer so rasch wie möglich über den Bosporus bringen. Sie drängten sogleich auf türkisches Gebiet vor. Zwei Monate später waren sie von seldschukischen Truppen völlig vernichtet. Von den 20.000 Menschen, die im Frühjahr zum Kreuzzug aufgebrochen waren, überlebten nur wenige, viele gerieten in die Sklaverei.

INFO: Der Aufbruch der Ritter im August 1096

Sorgfältig bereiteten sich die Adligen auf den Kreuzzug vor. Gottfried von Bouillon, der Herzog von Niederlothringen, bat zunächst seinen Lehnsherrn, Kaiser Heinrich IV., um die Erlaubnis zur Kreuzfahrt. Dann verkaufte er zwei seiner Güter und vetpfändete sein Schloß Bouillon an den Bischof von Lüttich. Mit dem Geld rüstete er sein Gefolge aus, etwa 1000 Berittene und 7000 Mann Fußvolk. Raimund von Toulouse, Besitzer blühender Herrschaften in Südfrankreich, hatte keine Schwierigkeiten, eine Streitmacht von 10.000 Mann zusammenzubringen. Er legte das Gelübde ab, im heiligen Land zu bleiben, und nahm seine Familie mit auf die Reise. Robert von der Normandle hingegen mußte sein Herzogtum um 10.000 Silbermark an seinen Bruder, den englischen König, verpfänden, um die Mittel für den Kreuzzug aufzubringen. Gottfrieds Bruder Balduin von Boulogne brachte nur Frau und Kinder zum Kreuzzug mit. Insgesamt brachen etwa 4500 Ritter und 30.000 Mann Fußvolk auf. Ein Viertel des Heeres waren Zivilpersonen: Frauen, Geistliche, Kinder und Greise.

Q 3 Beweggründe der Kreuzfahrer, nach den Jahrbüchern von Würzburg, 1146

,,Die Kreuzfahrer waren von den verschiedensten Beweggründen beseelt. Leute mit unruhigem Charakter lockte es, fremde Länder zu sehen; andere, denen die Armut im Nacken saß, . . . zogen nicht bloß gegen die Feinde Christi, sondern auch gegen jeden Freund des Christentums, wenn sie sich nur mit ihrem Schwerte die Armut vom Leibe schaffen konnten; wieder andere, welche von der Last ihrer Schulden bedrückt wurden oder sich ihrem pflichtmäßigen Herrendienst entziehen wollten oder auch gerechte Strafen für ihre Verbrechen zu befürchten hatten, heuchelten auf einmal Eifer für die Ehre Gottes."

(E. Orthbandt/D. H. Teuffen, Ein Kreuz und tausend Wege. Friedrich Bahn Verlag, Konstanz 1962.8.325.)

Gruppe 2:

a) Überlege, welche Gründe die Armen zur Kreuzzugs-teilnahme bewogen, und vergleiche sie mit jenen der Adeligen.

b) Welche Probleme werden die armen Kreuzfahrer gehabt bzw. erzeugt haben?

c) Warum scheitern sie so kläglich?

d) Warum fehlte der Kaiser?

Q 4 Warum Judenverfolgungen?

Der jüdische Gesetzeslehrer und Dichter Elieser ben Nathan erlebte in Mainz die Judenverfolgungen des Jahres 1096. In seiner Chronik verzeichnete er die Verfolgungen in allen deutschen Städten.

,,Als sie auf ihrem Weg durch die [rheinischen] Städte kamen, in denen Juden wohnten, sprachen sie in ihrem Herzen: Wir ziehen dahin, das heilige Grab aufzusuchen und Rache an den Mohammedanern zu üben, und hier sind die Juden, die ihn umgebracht haben und gekreuzigt . . . Lasset uns zuerst an ihnen Rache nehmen und sie austilgen, sodaß sie kein Volk mehr bilden; oder sie sollen unseresgleichen werden und zu unserem Glauben sich bekennen ...

Da erhoben sich die Feinde und Dränger gegen die Juden, die in ihren Häusern waren, überfielen sie und brachten sie um, Männer, Frauen und Kinder, Jünglinge und Greise. Sie rissen die Häuser nieder, . . . machten Beute und plünderten. Sie nahmen die heilige Thora, traten sie in den Straßenkot, zerrissen und zerfetzten sie, schändeten sie und trieben Spott und Scherz mit ihr."

(Hebräische Berichte über die Judenverfolgungen während des 1. Kreuzzugs. Hrsg. von Neubauer/Stern. Berlin 1892.8.153.)

Q 5 Die Lage der Juden, geschildert von Pierre Abälard, einem französischen Lehrer der Philosophie und Theologie (1079-1142>

,,Unter alle Nationen verstreut, ohne König oder weltlichen Fürsten, werden die Juden mit schweren Steuern bedrückt... Das Leben der Juden ist ihren grimmigsten Feinden anvertraut. Selbst im Schlaf werden sie von Schreckensträumen nicht verlassen ... Wenn sie zum nächstgelegenen Ort reisen wollen, müssen sie mit hohen Geldsummen den Schutz der christlichen Fürsten erkaufen, die in Wahrheit ihren Tod wünschen, um ihren Nachlaß an sich zu reißen. Äcker und Weingärten können die Juden nicht haben, weil niemand da ist, der ihren Besitz garantiert. Also bleibt ihnen als Erwerb nur das Zinsgeschäft, und dieses macht sie wieoer bei den Christen verhaßt."

(Karl Thieme, Dreitausend Jan re Judentum. Verlag F. Schöningh, Paderborn 1960.8.51.)

Gruppe 3:

(a) Mit welchen Argumenten rechtfertigen die Christen ihr Verhalten gegenüber den Juden?

(b) Stelle die gesellschaftliche und wirtschaftliche Lage der Juden dar.

(c) In welchen Ländern kam es im Lauf der Geschichte zu den größten Judenpogro-men?

Q 6 Die Kreuzritter und der byzantinische Kaiser

Der Graf [Raimund von Toulouse] wurde mit großen Ehren vom Kaiser und seinem Gefolge empfangen. Der Kaiser forderte ihn auf, ihm zu huldigen und den Eid zu leisten . . . Der Graf antwortete, er sei nicht bis dorthin gekommen, um einen anderen Herrn anzuerkennen oder für jemand anderen zu kämpfen als den, für den er Vaterland und Besitz verlassen habe."

(Régine Pernoud, Die Kreuzzüge in Augenzeugenberichten. Verlag Karl Rauch, Düsseldorf 1961.S.51 f.)

Gruppe 4:

a) Was beabsichtigt der byz. Kaiser mit seiner Forderung?

Q 7 Die Eroberung Jerusalems im Juni 1099 aus christlicher Sicht

Aus dem Tagebuch eines normannischen Ritters.

,,In die Stadt eingedrungen, verfolgten unsere Pilger die Sarazenen bis zum Tempel des Salomo, wo sie während des ganzen Tages den Unsrigen den wütendsten Kampf lieferten, so daß der ganze Tempel von ihrem Blut überrieselt war. Nachdem die Unsrigen die Heiden endlich zu Boden geschlagen hatten, ergriffen sie im Tempel eine große Zahl Männer und Frauen, töteten sie oder ließen sie leben, wie es ihnen gutdünkte. Bald durcheilten die Kreuzfahrer die ganze Stadt und rafften Gold, Silber, Pferde und Maulesel an sich. Sie plünderten die Häuser, die mit Reichtümern überfüllt waren. Dann, glücklich und vor Freude weinend, gingen die Unsrigen hin, um das Grab unseres Erlösers zu verehren."

(Histoire anonyme de la premiere croisade)

b) Überlege: Wie ist das Verhalten der Christen bei der Einnahme Jerusalems zu erklären?

c) Warum ist der Besitz der ,,Heiligen Stadt" für Muslime und Christen (und Juden) so bedeutsam?

d) Wie ist die heutige Situa-tion Jerusalems?

INFO: Die Kreuzzüge - ein kultureller Gewinn?

a) Das christliche Europa und die Kultur des Islam begegneten sich im 11-13 Jh. im Orienthandel, bei der Rückeroberung Spaniens durch die christlichen Ritter und im Hlg. Land

Der geistige und wissenschaftliche Austausch erfolgte aber v. a. über Spanien und Sizilien, weil dort viele Juden und einheimische Christen arabisch und griechisch sprachen. Sie übersetzten die bedeutendsten wissenschaftlichen Werke aus dem islamisch-arabischen und byzantinischen Raum und machten sie dadurch für Europäer zugänglich. Neue Kenntnisse aus dem Bereich der Mathematik (Rechnen mit arabischen Zahlen), der Himmelskunde und der Medizin kamen auf diese Weise nach Europa. Die Kreuzritter übernahmen viele Annehmlichkeiten des orientalischen Lebens, so z.B. Dampfbäder und Körperpflege mit Duftstoffen, bequeme und prachtvolle Gewänder, Schmuckwaffen und Wappen, die kostbare Ausstattung der Wohngemächer mit Teppichen und Sitzgelegenheiten, festliche Geselligkeit, Prunkzelte und Turrierspiele. Neue Kenntnisse übernahmen die Europäer mit dem Aufschwung des Seehandels und des Schiffsverkehrs auch in der Navigationskunde.

b) Neue Wörter: Diwan, Sofa, Baldachin, Matratze, Pantoffel, Mütze, Jacke, Amulett, Talisman, Sirup, Marzipan, Konditor, Tasse, Karaffe; Laute, Guitarre, Trompete, Tamburin; Damast, Samt, Mohair, Chiffon, Barchent, Kattun, Atlasseide, Taft; Safran, Muskat, Natron, Zimt, Kümmel, Estragon; Orangen, Limonen, Aprikosen, Pomeranzen, Pflaumen, Gurken, Melonen, Artischoken, Reis, Datteln, Zuckerrohr.

c) In den Kreuzzügen lernten die europäischen Ritter, ihr kriegerisches Leben unter ein höheres Ziel zu stellen; so entstand das Ideal des christlichen Ritters mit einer besonderen ritterlichen Ehrauffassung. Dazu gehörten die Achtung vor dem Gegner, Schonung der Besiegten, Erbarrnen mit den Wehrlosen und Schwachen (Witwen und Waisen), Selbstbeherrschung und Maßhalten, Tischsitten und Feingefühl Frauen gegenüber. Neben Kampfspielen pflegte man Saitenspiel, Gesang und den Vortrag von Ritterdichtungen. Da die Reisekosten und der Nachschub über See durch Kredite oder bar bezahlt werden mußten, wuchs der Geldbedarf. Kirchliche Schätze wurden zu Münzen geprägt, Naturalabgaben in Geldzins verwandelt. Kirchliche Ablaßgelder für den Kreuzzug mußten durch Bahkhäuser in ganz Europa gesammelt und nach Italien überwiesen werden. So entfaltete sich das Bank-, Kredit- und Transportgeschäft.

Q 8 Kreuzritter erobern Konstantinopel

Der IV. Kreuzzug 1204 aus der Perspektive des Chronisten Gunther von Pairis. Dieser Mönch schrieb über den IV. Kreuzzug anhand eines Berichtes seines Abtes, der daran teilgenommen hatte:

"Das geschah aus mehreren Gründen ... [unter anderem] weil sie wußten, wie diese Stadt sich gegen die heilige römische Kirche auflehnte und ihr verhaßt war, und weil sie nicht der Meinung waren, ihre Niederwerfung durch die Unsren werde dem Papst oder sogar Gott etwa sehr mißfallen, Aber auch die Venezianer, - . trieben besonders dazu, teils in der Hoffnung auf. . . Geld, teils aber auch aus dem Grunde, daß diese Stadt im Vertrauen auf die Zahl ihrer Schiffe die Führung und Herrschaft auf jenem ganzen Meere für sich in Anspruch nahm ... Als die Tore sorgfältig verrammelt waren, wurde den Siegern die Erlaubnis erteilt, nach der Beute zu laufen. Und so fanden sie überall und in Fülle solche Summen an Gold und Silber, solchen Glanz an Edelsteinen und Gewändern, ein solches Übermaß an köstlichen Waren, so prächtige, mit allen Gütern ausgestattete Häuser, daß sie mit einem Schlag allesamt aus ärmlichen Ankömmlingen zu reichen Bürgern wurden."

(Gunther von Pairis, Die Geschichte der Eroberung von Konstantinopel. Hrsg. von Assmann. Böhlau-Verlag, Köln-Graz 1956.5.63.)

INFO: Kreuzzüge - ein Geschäft?

a) Schon vor den Kreuzzügen hatten die italienischen Seestädte, v. a. Genua, Pisa und Venedig, den gesamten Seehandel mit dem Vorderen Orient vermittelt. Venezianische Kaufleute besaßen Abgabenfreiheit im ganzen oströmischen Reich und beherrschten dort den Handel. Ihre Flotte war stärker als die byzantinische. Nach anfänglichem Zögern stellten die Guenesen und Venezianer ihre Schiffe für die Truppen~ und Versorgungstransporte der Kreuzfahrer zur Verfügung, ließen sich ihre Dienste aber teuer bezahlen. Bei der Eroberung der Levantestädte im 1. Kreuzzug machten sie unermeßliche Beute. Darauf sicherten sie sich in den Hafenstädten Syriens und Palästinas Vorrechte, legten in eigenen Stadtvierteln Handelsquartiere mit Kirchen, Magazinen, befestigten Kastellen an und ließen sie von eigenen Bevollmächtigten verwalten.

b) Der von Papst Innozenz III. organisierte 4. Kreuzzug französischer und burgundischer Ritter sollte sich gegen Ägypten richten. Da aber das Kreuzheer die Fahrtkosten nicht bezahlen konnte, vereinbarte es mit der Stadt Venedig, die Überfahrt durch Waffenhilfe abzuleisten. Der 8Ojährige blinde Doge der Stadtrepublik, Enrico Dandob, verstand es aber, den Kreuzzug mich Konstantinopel umzuleiten. Die Flotte griff zuerst in innere Thronstreitigkeiten zugunsten des Kronprinzen Alexios ein; als dieser nach der Eroberung der Stadt die vereinbarte Summe nicht bezahlen konnte und ein Volksaufstand gegen die Fremden ausbrach, eroberten die Kreuzritter Konstantinnopel ein zweites Mal und plünderten es drei Tage lang.

c) Das oströmische Reich wurde unter die Eroberer aufgeteilt und ein lateinisches Kaiserreich (1204-61) unter Graf Balduin von Flandern mit einem venezianischen Patriarchen errichtet. Venedig nahm etwa 1/3 des Reichsbodens in Besitz, v. a. alle wichtigen Häfen und Inseln des ägäischen Meeres und der Insel Kreta. 10000 venezianische Kaufleute lebten unter der Gerichtsbarkeit eines venezianischen Statthalters in einem eigenen Stadtteil in Konstantinopel.

Gruppe 5:

a) Welche Lebensbereiche wurden vom Kontakt mit dem Orient bes. beeinflusst?

b) Welche europ. Region, welche Gruppe der ma. Gesellschaft profitiert am meisten von den Kreuzzügen? Erkläre, weshalb und mit welchen Mitteln.

Die Gegenkreuzzüge

Q 9 Der arabische Historiker lbn al-Atir hat die Eroberung Jerusalems 1187 als Augenzeuge erlebt:

[Sultan] Saladin beriet mit seinen Emiren. Sie waren der Meinung, man solle die Kapitulation bewilligen . . Es wurde abgemacht mit den Christen, jeder Mann aus der Stadt, reich oder arm, solle als Lösegeld zehn Goldstücke bezahlen, die Frauen fünf und die Kinder zwei ... Für die Zahlung dieses Tributs wurde eine Frist von 40 Tagen zugestanden. War dieser Zeitpunkt überschritten, sollten alle, die ihre Schulden nicht bezahlt hatten, als Sklaven betrachtet werden. Wer den Tribut bezahlt hatte, war auf der Stelle frei.

(R. Pernoud, a. a. 0., S.210.)

Gruppe 6:

(a) Vergleiche die christliche und die mohammedanische

Eroberung Jerusalems.

(b) Überlege: welcher morali-sche Druck entsteht durch diese Regelung? Welches Ergebnis vermutest du?


Kreuzzüge und Gegenkreuzzüge - eine tabellarische Übersicht


Seit 722 andauernde Glaubenskriege der Christen zur Rückeroberung Spaniens aus den Händen der Araber.

 

1071/78 Die islamischen Seldschuken bedrängen Byzanz und erobern Jerusalem.

 

1085 Der christliche König Alphons v. Asturien-Leon erobert Toledo. Darauf weitere wechselvolle Kämpfe spanischer Könige und Ritter gegen die Mauren.

 

1095 Byzanz bittet den Papst um Unterstützung gegen die Seldschuken.

 

1096-99 I. Kreuzzug

GE. Edessa, Fst. Antiochia,

Kgr. Jerusalem gegründet

um 1130 Ritterorden der Templer und

Johanniter entstehen

1144 Die Türken erobern Edessa

 

1146-49 II. Kreuzzug in das Heilige Land, gleichzeitig gegen die Wenden an der Elbe

 

1187 Sultan Saladin erobert Jerusalem
und den größten Teil der von den Franken besetzten Gebiete (darunter Akkon)

 

1189-92 III. Kreuzzug

Friedrich I. Barbarossa

Richard Löwenherz (Engl.)

Philipp II. August (Frk.)

Eroberung Zyperns und Rückeroberung Akkon.



1202-04 IV. Kreuzzug

Eroberung Konstantinopels und Teile Griechenlands

Gründung des Lateinischen Kaiserreichs (bis 1261)


1209-29 Kreuzzug gegen die Albigenser in Südfrankreich

1212 Kinderkreuzzug

1226-83 Deutschordensritter erobern Preußen

1228-29 V. Kreuzzug

Kaiser Friedrich II. gewinnt durch

Vertrag mit dem Sultan Jerusalem zurück

1232-34 Kreuzzug gegen die aufständischen

Stedinger Bauern in

Norddeutschland

1244 Endgültige Eroberung Jerusalems durch die Türken

 

1248-54 VI. Kreuzzug Ludwig d. Heiligen von Frankreich versucht das Heilige Land von Ägypten her zurück-zuerobern

 

nach 1250 Verhandlungen zwischen Christen und Mongolen über einen gemeinsamen Angriff gegen den Islam

 

1261 Ende des Lateinischen

Kaiserreichs

1270 VII. Kreuzzug

Ludwig der Heilige v. Frankreich (+)

zieht gegen das islamische

Tunesien

1271 Sultan Baibors (Mam

luk) erobert u. a. Antio

chien und die Festung

Krak des Cbevaliers

1291 Ende der 1291 Akkon fällt an die

,fränkischen" Türken

Herrschaft im 1396 Die Türken (Osmanen)

Heiligen Land siegen über die Kreuzfahrer bei Nikopolis und erobern den Balkan

1453 Die Türken erobern Konstantinopel

1529 Die Türken belagern Wien

1571 Die Türken erobern Zypern

1683 Die Türken erneut vor Wien

c) Erläutert anhand der Karte die weitere Entwicklung, wie sie aus der 2. Spalte ersichtlich wird.

Zusammenfassung

Mit den Kreuzzügen lenkte das Papsttum die kriegerischen Ritter Europas auf ein gemeinsames Ziel: im Hlg. Krieg im Dienste Gottes das Grab Christi aus den Händen der Ungläubigen zu befreien. Den Anlaß dazu gab die Bitte des oströrnichen Kaisers um Waffenhilfe gegen die islamischen Seldschuken, die nach Syrien, Palästina und Kleinasien vorgedrungen waren. Auf dem Konzil von Clermont-Ferrand verkündete Papst Urban II. den 1. Kreuzzug. Kreuzfahrer aus Frankreich, dem Rheinland und Süditalien zogen - zumeist über Byzanz - ins Heillge Land (1096-1099), eroberten Jerusalem und gründeten christliche Kreuzfahrerstaaten in Syrien und Palästina. Alle späteren Kreuzzüge versuchten nur noch Gebiete wiederzugewinnen, die der Islam im Gegenangriff zurückerobert hatte. Dennoch gingen bis 1291 ganz Syrien und Palästina verloren. Im 4. Kreuzzug eroberten die Kreuzfahrer im Dienste Venedigs Konstantinopel und errichteten auf dem Boden des oströmischen Reiches ein lateinisches Kaiserrelch (1204-61). Venedig baute an der Ägäis und an der Küase der Levante ein Seereich auf, das bis ins 18. Jh. bestand. Die Kreuzzüge lösten Gegenkreuzzüge des Islam aus, die seit dem 14. Ih. durch Vorstöße der Türken bis weit nach Südosteuropa hinein fortgesetzt wurden.

Die Kreuzfahrer lernten im Orient verfeinerte Sitten, größere Duldsamkeit gegen Andersgläubige und brachten neue wissen-schaftliche Kenntnisse mit. Das europäische Rittertum bildete eine gemeinsame weltliche Kultur außerhalb der Kirche aus, mit gemeinsamen Ehrbegriffen, Lebensformen und feinerer Geselligkeit, an der auch Frauen teilnehmen durften. Die geistlichen Ritterorden verbanden die Ideale des Kriegers und des Mönchtums. Durch den gesteigerten Orienthandel und das Transportwesen nahmen die italienischen Seestädte, die Geldwirtschaft und das Bankwesen einen starken Aufschwung.



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Cloned von http://www2.vol.at/borgschoren/HIST/ma_kreuz.htm
weil jene HP schlecht formatiert war.
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